Frau blickt unsicher zwischen den Begriffen Vegan und Vegetarian hin und her und hebt fragend beide Hände, vor einem rosafarbenen Hintergrund.
|

„Dann werde doch einfach vegetarisch.“ Warum diese Empfehlung oft am eigentlichen Problem vorbeigeht

Wenn vegan zur vermeintlichen Ursache gemacht wird

„Dann werde doch einfach vegetarisch.“

Diesen Rat bekam eine meiner Kundinnen von ihrem Arzt. Der Grund: Ihre orthopädischen Beschwerden seien auf ihre vegane Ernährung zurückzuführen.

Interessanterweise hatte der Arzt in einem Punkt sogar Recht! Allerdings nicht so, wie er es meinte.

Denn die Beschwerden wurden tatsächlich durch ihre Ernährung begünstigt. Allerdings nicht, weil sie sich vegan ernährte, sondern weil sie ihrem Körper über einen längeren Zeitraum deutlich zu wenig Energie zur Verfügung gestellt hatte.

Das eigentliche Problem: Zu geringe Energiezufuhr

Was meine Kundin nicht wusste: Sie nahm dauerhaft weniger Energie auf, als ihr Körper tatsächlich benötigte.

Die Folge waren typische orthopädische Symptome eines Relativen Energiedefizits im Sport (RED-S).

Entscheidend ist dabei jedoch: Diese Beschwerden wären genauso bei einer vegetarischen oder mischköstlichen Ernährung entstanden. RED-S ist ein multifaktorielles Syndrom, dessen Ursache nicht die Ernährungsform ist, sondern eine dauerhaft unzureichende Energieverfügbarkeit.

Deshalb löst der Wechsel von vegan zu vegetarisch das eigentliche Problem nicht.

Warum einfache Antworten selten die richtigen sind

Dieses Beispiel zeigt sehr deutlich, wie schnell die vegane Ernährung pauschal als Ursache gesundheitlicher Probleme angesehen wird.

Dabei wird häufig übersehen, dass hinter Beschwerden komplexe Zusammenhänge stecken. Statt die tatsächliche Ursache zu analysieren, wird die Ernährungsform infrage gestellt.

Leider begegnen mir solche Aussagen nicht nur im Praxisalltag. Auch manche ehemalige Veganer*innen mit großer Reichweite vermitteln den Eindruck, dass vegane Ernährung grundsätzlich problematisch sei, nicht selten verbunden mit dem Verkauf eigener Produkte oder Programme.

Doch pauschale Aussagen helfen niemandem weiter.

Vegane Sporternährung funktioniert! Wissenschaftlich und praktisch

In meiner Arbeit als Ernährungsberaterin höre ich immer wieder Empfehlungen von Ärzt*innen, die nicht mit der aktuellen wissenschaftlichen Evidenz übereinstimmen.

Das bedeutet nicht, dass Ärzt*innen keine hervorragende Arbeit leisten. Allerdings spielt Ernährungsmedizin in der medizinischen Ausbildung häufig nur eine untergeordnete Rolle. Entsprechend entstehen manchmal Empfehlungen, die eher auf persönlichen Überzeugungen als auf der vorhandenen Studienlage beruhen.

Dabei ist die wissenschaftliche Datenlage eindeutig: Eine gut geplante vegane Sporternährung kann den Bedarf von Sportler*innen decken und leistungsförderlich gestaltet werden.

Wenn widersprüchliche Empfehlungen verunsichern

Für Betroffene entsteht dadurch häufig ein Dilemma.

Auf der einen Seite steht die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt. Auf der anderen Seite eine spezialisierte Ernährungsberatung.

Beiden Personen wird vertraut und beide vertreten unterschiedliche Ansichten.

Aus Unsicherheit versuchen viele dann, beiden Empfehlungen gleichzeitig gerecht zu werden. Das führt häufig dazu, dass letztlich keine der Strategien konsequent umgesetzt wird und die gewünschten gesundheitlichen oder sportlichen Fortschritte ausbleiben.

Mein Fazit

Vegane Ernährung ist nicht automatisch die Ursache gesundheitlicher Beschwerden.

Werden Probleme vorschnell auf die Ernährungsform geschoben, besteht die Gefahr, dass die eigentliche Ursache übersehen wird. Genau deshalb lohnt sich eine individuelle Analyse der gesamten Ernährung und der persönlichen Lebenssituation.

Denn am Ende geht es nicht um die Frage, ob jemand vegan, vegetarisch oder omnivor lebt, sondern darum, ob der Körper mit allem versorgt wird, was er für Gesundheit, Regeneration und Leistungsfähigkeit benötigt.

Wenn du deine vegane Sporternährung wissenschaftlich fundiert optimieren möchtest und Unsicherheiten vermeiden willst, begleite ich dich gerne in meinem Coaching. Gemeinsam finden wir heraus, was dein Körper wirklich braucht. Individuell, praxisnah und evidenzbasiert.

Bild bearbeitet mit: Canva | Erstellung des Beitrags mit Unterstützung von ChatGPT 4o

Weiterführende Studien

Statuta, Siobhan M., Irfan M. Asif, and Jonathan A. Drezner. “Relative energy deficiency in sport (RED-S).” British journal of sports medicine 51.21 (2017): 1570-1571.

Coelho, Alexandra Ruivo, et al. “The female athlete triad/relative energy deficiency in sports (RED-S).” Revista Brasileira de Ginecologia e Obstetrícia/RBGO Gynecology and Obstetrics 43.05 (2021): 395-402.

Mountjoy, Margo, et al. “IOC consensus statement on relative energy deficiency in sport (RED-S): 2018 update.” British journal of sports medicine 52.11 (2018): 687-697.

Nebl, Josefine, et al. “The Effect of an 8-Week Vegan Diet on the Nutritional Status and Performance of Semi-Professional Soccer Players—Results of the VegInSoc Study.” Nutrients, vol. 17, 2025

Vitale, K., and S. Hueglin. “Update on vegetarian and vegan athletes: a review.” The Journal of Physical Fitness and Sports Medicine, 2021

Baroni, L., et al. “The VegPlate for Sports: A Plant-Based Food Guide for Athletes.” Nutrients, vol. 15, 2023

Ähnliche Beiträge

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert