Nahaufnahme von braunen Datteln und weißen Zuckerwürfeln, diagonal gegenübergestellt als Vergleich zwischen natürlicher Süße aus Datteln und raffiniertem Haushaltszucker.

Dattelsüße? Finde ich ziemlich unnötig und die Wissenschaft erklärt warum

„Mit Dattelsüße gesüßt.“ Dieser Satz steht inzwischen auf Müsliriegeln, Keksen, Aufstrichen und sogar Schokolade. Und irgendwie klingt er sofort gesund. Fast so, als hätte man den Zucker durch etwas Magisches ersetzt. Aber genau hier liegt das Problem. Denn oft wird suggeriert, dass Dattelsüße automatisch besser sei als raffinierter Zucker.

Die Wissenschaft zeichnet allerdings ein deutlich differenzierteres Bild: Entscheidend ist nicht, ob die Süße ursprünglich aus einer Dattel stammt, sondern wie stark diese Dattel verarbeitet wurde.

Oder anders gesagt: Eine ganze Dattel ist etwas völlig anderes als ein Pulver, Sirup oder Konzentrat aus Datteln.

Die Gesundheits-Crazyness rund um Dattelsüße und Co.

In der Ernährungswelt gibt es einen Begriff für dieses psychologische Phänomen: den sogenannten „Health Halo“, ich nenne es ja gerne „Gesundheits-Crazyness“. Das heißt: Ein Lebensmittel erhält durch bestimmte Begriffe einen gesünderen Ruf, obwohl sich die tatsächlichen gesundheitlichen Vorteile oft in Grenzen halten.

  • „Ohne raffinierten Zucker“
  • „Mit Dattelsüße gesüßt“

Dabei enthält das Produkt häufig trotzdem große Mengen Zucker, nur eben unter einem anderen Namen.

Natürlich stammt die Süße ursprünglich aus einer Frucht. Das allein macht sie aber nicht automatisch zu einem Gesundheitsprodukt. Und raffinierter Zucker stammt auch aus einer Rübe und das ist sogar ein GEMÜSE, nur mal ganz nebenbei erwähnt.

Ist Dattelsüße jetzt also immer schlecht?!

Ganz klar: nein! Wer eine ganze Dattel isst, bekommt deutlich mehr als nur Zucker.

Datteln enthalten unter anderem:

  • Ballaststoffe
  • Polyphenole
  • Mineralstoffe
  • weitere bioaktive Pflanzenstoffe

Genau diese Kombination macht den Unterschied.

Die wissenschaftliche Literatur zeigt immer wieder, dass ganze Früchte mit einer Vielzahl positiver Gesundheitseffekte verbunden sind. Ein höherer Obstverzehr wird unter anderem mit einem geringeren Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Übergewicht und verschiedenen Stoffwechselstörungen in Verbindung gebracht.

Der Grund dafür ist nicht der Fruchtzucker selbst, sondern das gesamte „Nährstoffpaket“, in dem dieser Zucker geliefert wird. Die Fachwelt spricht hier von der Lebensmittelmatrix.

Warum die Form also entscheidend ist

Ein spannender Befund aus der Forschung: Je stärker eine Frucht verarbeitet wird, desto mehr gehen einige ihrer Vorteile verloren.

Ganze Früchte sättigen deutlich besser als Fruchtmus oder Fruchtsaft. Dadurch wird häufig auch weniger Gesamtenergie aufgenommen. Das bedeutet nicht, dass Fruchtsaft oder Dattelsirup automatisch ungesund sind. Es bedeutet lediglich, dass die positiven Effekte der ursprünglichen Frucht nicht vollständig erhalten bleiben.

Außerdem: Dattelsüße ist nicht gleich Dattelsüße

Jetzt wird es verwirrend, aber der Begriff wird leider für sehr unterschiedliche Produkte verwendet. Manche Hersteller nutzen tatsächlich fein gemahlene ganze Datteln. In diesem Fall bleiben zumindest Teile der Ballaststoffe und weiterer Inhaltsstoffe erhalten.

Andere Produkte bestehen dagegen aus hochverarbeiteten Konzentraten oder Sirupen, die hauptsächlich Zucker liefern. Und da stellt sich die Frage: Wie groß ist der Unterschied zu herkömmlichem Zucker eigentlich noch? Die Antwort lautet häufig: Wesentlich kleiner, als das Marketing vermuten lässt.

Die unbequeme Wahrheit: Die Menge macht den Unterschied

Selbst wenn Dattelsüße einige zusätzliche Inhaltsstoffe enthält, sollte man sich eine Frage stellen: Wie viel davon esse ich überhaupt?

Nehmen wir an, ein Rezept enthält 20 Gramm Dattelsüße. Selbst wenn darin noch geringe Mengen Mineralstoffe oder sekundäre Pflanzenstoffe vorhanden sind, bleiben die absoluten Mengen meist überschaubar.

Die gesundheitlichen Vorteile entstehen in Studien vor allem dann, wenn ganze Früchte regelmäßig verzehrt werden und nicht durch minimale Mengen eines Süßungsmittels im Kuchen oder Müsliriegel.

Deshalb erscheint mir die Diskussion oft etwas übertrieben. Wenn ich ohnehin nur wenig Süßungsmittel verwende, spielt es gesundheitlich meist keine entscheidende Rolle, ob dieses aus Haushaltszucker oder Dattelsüße stammt. Viel wichtiger ist die Gesamtqualität der Ernährung.

Was sagt die Wissenschaft zu Zucker aus Früchten?

Die aktuelle Studienlage zeigt ein relativ klares Bild:

  • Ganze Früchte sind gesundheitlich vorteilhaft.
  • Fruchtsäfte schneiden meist schlechter ab als ganze Früchte.
  • Softdrinks zeigen die ungünstigsten Zusammenhänge.
  • Hohe Zuckermengen fördern unabhängig von der Quelle bei Energieüberschuss Übergewicht und Stoffwechselprobleme.

Interessant ist zudem, dass eine kontrollierte Studie bei übergewichtigen Erwachsenen über vier Wochen keine wesentlichen Unterschiede zwischen Zucker aus Früchten und Zucker aus Softdrinks hinsichtlich Gewicht oder verschiedener kardiometabolischer Risikofaktoren fand.

Das bedeutet nicht, dass Obst und Softdrinks gleichwertig sind. Es zeigt aber, dass die Zuckerquelle allein nicht die ganze Geschichte erzählt.

Die Ausnahme: Ausdauersport

Jetzt kommt der Moment, an dem ich meine Aussage etwas relativieren muss, denn fleißige Leser*innen wissen: im Ausdauer- und Wettkampfsport gelten teilweise andere Regeln.

Während langer Belastungen geht es oft darum, möglichst schnell Kohlenhydrate verfügbar zu machen. Hier stehen nicht Ballaststoffe, Sättigung oder sekundäre Pflanzenstoffe im Vordergrund, sondern eine effiziente Energieversorgung.

Wer einen Marathon läuft, ein Radrennen fährt oder mehrere Stunden trainiert, muss keine Angst vor Zucker haben. Im Gegenteil. In diesem Kontext darf – und sollte – Energie häufig bewusst zugeführt werden.

Ob diese Energie aus Glukose, Maltodextrin, Dattelpaste oder anderen Kohlenhydratquellen stammt, hängt dann vor allem von Verträglichkeit, Praktikabilität und persönlicher Vorliebe ab.

Fazit: Weniger Marketing, mehr Ernährungswissenschaft

Dattelsüße ist nicht automatisch gesünder als Zucker. Entscheidend ist, ob tatsächlich die ganze Frucht verwendet wird oder ob am Ende vor allem Zucker übrig bleibt.

Die größten gesundheitlichen Vorteile entstehen durch den Verzehr ganzer Früchte mit ihrer natürlichen Matrix aus Ballaststoffen und bioaktiven Pflanzenstoffen.

Wer seinen Kuchen, Müsliriegel oder seine Pancakes gelegentlich mit Dattelsüße statt Haushaltszucker süßt, macht damit sicherlich nichts falsch. Man sollte aber auch nicht erwarten, dass daraus plötzlich ein Gesundheitsprodukt wird.

Bild bearbeitet mit: Canva | Erstellung des Beitrags mit Unterstützung von ChatGPT o1 und Consensus

Literatur zum Nachlesen
  • Gonzalez, J. T. (2024). Are all sugars equal? Role of the food source in physiological responses to sugars with an emphasis on fruit and fruit juice. European Journal of Nutrition, 63, 1435 – 1451.
  • Dragomir, N., Grigore, D.-M., & Pogurschi, E. (2025). Beyond Sugar: A Holistic Review of Sweeteners and Their Role in Modern Nutrition. Foods, 14.
  • Fałczyńska, A., Miller-Kasprzak, E., Rosiejka, D., Michałowska, J., Błażejewska, W., Bogdańska, A., & Bogdański, P. (2025). Natural Sweetness and Bioactivity: The Cardiovascular Promise of Fruits. Nutrients, 17.
  • Alqurashi, R., Alokily, N., Younis, N., Alqahtani, N. K., & Al-Mssallem, M. (2025). Nutritional and functional properties of date sugar and dibs: a comparison with refined sugar. Cogent Food & Agriculture, 11.
  • Khan, T., & Sievenpiper, J. (2016). Controversies about sugars: results from systematic reviews and meta-analyses on obesity, cardiometabolic disease and diabetes. European Journal of Nutrition, 55, 25 – 43.
  • Sharma, S. P., Chung, H.-J., Kim, H. J., & Hong, S.-T. (2016). Paradoxical Effects of Fruit on Obesity. Nutrients, 8.

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