Die unsichtbare Hälfte im Sport?
Was passiert, wenn wissenschaftliche Empfehlungen auf einer Datenbasis beruhen, die Frauen kaum berücksichtigt? Genau dieses Problem zeigt sich aktuell deutlich in der Sporternährungsforschung, mit potenziell weitreichenden Folgen für Leistung, Gesundheit und individuelle Ernährungsempfehlungen bei Frauen.
Frauen in Studien: Deutlich unterrepräsentiert
Mehrere aktuelle Analysen zeigen ein klares Bild: Frauen sind in der Sport- und Sporternährungsforschung systematisch unterrepräsentiert.
Eine große Analyse von Studien aus den Jahren 2014–2020 ergab:
- Nur 6 % der Studien untersuchten ausschließlich Frauen
- 31 % basierten ausschließlich auf Männern
- Insgesamt machten Frauen nur 34 % der Teilnehmenden aus
Auch neuere Untersuchungen bestätigen diese Zahlen:
- Nur 6–9 % der Studien fokussieren sich ausschließlich auf weibliche Athletinnen
- In gemischten Studien liegt der Frauenanteil bei nur 35–39 %
Das bedeutet: Ein Großteil der wissenschaftlichen Erkenntnisse basiert überwiegend auf männlicher Physiologie.
Besonders kritisch: Sporternährung & Supplements
Noch deutlicher wird die Problematik im Bereich der Sporternährung.
Ein Audit von 1.826 Studien mit fast 35.000 Teilnehmenden zeigt:
- Nur 23 % der Teilnehmenden waren Frauen
- Nur 0–8 % der Studien untersuchten ausschließlich Frauen
- Nur 0–2 % analysierten gezielt Unterschiede zwischen den Geschlechtern
Besonders problematisch: in leistungsorientierten Supplementstudien lag der Frauenanteil bei nur 16 %
Das bedeutet konkret: Viele Empfehlungen zu Kreatin, Koffein oder Beta-Alanin basieren primär auf Daten von Männern.
Der große blinde Fleck: Menstruationszyklus
Ein zentrales Problem in der Forschung ist die fehlende Berücksichtigung hormoneller Faktoren.
- Nur 14 % der Studien erfassen überhaupt den Menstruationsstatus
- Nur etwa 0,5 % setzen methodisch saubere („Best Practice“) Verfahren um
- In 79 % der Studien wird der Zyklus gar nicht berücksichtigt
Ein weiterer schwarzer Fleck in Sachen „Menstruationszyklus und Sport“. Zu diesem Thema gibt es eine ganze Podcastfolge, in der ich mir anschaue, ob „zyklusbasiertes Training“ quatisch oder sinnvoll ist.
Warum ist das ein Problem?
Die Konsequenz dieser Datenlage ist gravierend:
- Ernährungsempfehlungen basieren häufig auf männlichen Daten
- Weibliche Physiologie wird nicht ausreichend berücksichtigt
- Individuelle Faktoren wie Zyklus, hormonelle Kontrazeption oder Menopause fehlen
Viele Reviews sprechen daher explizit von einem „Sex Data Gap“ in der Sportwissenschaft.
Kurz gesagt: Wir versuchen, Frauen mit Empfehlungen zu optimieren, die ursprünglich für Männer entwickelt wurden.
Strukturelle Ursachen
Die Ursachen liegen nicht nur in der Studienplanung, sondern auch im System selbst:
- Männer wurden historisch als „Standard“ betrachtet
- Frühere Schlüsselstudien basierten ausschließlich auf Männern
- Frauen sind auch als Autorinnen und in Leitungspositionen unterrepräsentiert
Interessant: Studien zeigen, dass der Frauenanteil steigt, wenn mehr Frauen an der Forschung beteiligt sind.
Was bedeutet das für die Praxis?
Für dich als Sportlerin oder Coach*in heißt das:
- Viele Empfehlungen sind nicht optimal individualisiert
- Standardstrategien sollten kritisch hinterfragt werden
- Zyklus, Hormone und individuelle Unterschiede müssen stärker berücksichtigt werden (wobei wir hier auch noch nicht genug wissen. Mehr dazu in der Podcastfolge).
Genau hier liegt aktuell eines der größten Entwicklungspotenziale in der Sporternährung.
Fazit: Mehr Forschung = bessere Empfehlungen
Die aktuelle Studienlage ist eindeutig:
Frauen sind in der Sporternährungsforschung deutlich unterrepräsentiert und das hat direkte Auswirkungen auf die Qualität von Empfehlungen.
Um wirklich evidenzbasierte und individuelle Strategien zu entwickeln, braucht es:
- Mehr Studien mit weiblichen Probandinnen
- Bessere methodische Standards
- Mehr Fokus auf hormonelle Einflussfaktoren
Erst dann können wir Sporternährung wirklich für alle optimieren.
Du willst deine Ernährung individuell optimieren?
Wenn du nicht mit pauschalen Empfehlungen arbeiten willst, sondern verstehen möchtest, was dein Körper wirklich braucht, dann unterstütze ich dich dabei.
In meinem Coaching schauen wir uns genau diese individuellen Faktoren an. „issenschaftlich fundiert und praxisnah umgesetzt.
Mehr zu meinen 1:1 Coachingangeboten und zu meinem Vegane Sporternährung Kickstart erfährst du auf meiner Angebotsseite.
Bild bearbeitet mit: Canva | Erstellung des Beitrags mit Unterstützung von ChatGPT o1 und Consensus AI

