Das Thema Darmmikrobiom und sportliche Leistung gewinnt zunehmend an Aufmerksamkeit, sowohl in der Wissenschaft als auch in der Praxis. Auch ich verfolge mit meinem Ansatz der darmfreundlichen veganen Sporternährung einen korrelierten Ansatz dieser beiden Aspekte. Doch wie stark beeinflusst unser Darm tatsächlich Training, Regeneration und Performance?
Ein aktuelles systematisches Scoping Review (2015–2025) liefert spannende Einblicke und zeigt gleichzeitig klar: Wir stehen noch am Anfang.
Review: Carlone, J., Parisi, A., & Fasano, A. (2025). The performance gut: A key to optimizing performance in high-level athletes: A systematic scoping review. Frontiers in sports and active living, 7, 1641923.
Was wurde in der Studie untersucht
Die Autor*innen analysierten insgesamt 19 Studien (12 experimentelle Studien und 7 Reviews), die sich mit dem Zusammenhang zwischen:
- Darmmikrobiom
- Training
- Ernährung
- Regeneration
- Leistungsfähigkeit
bei Elite- und High-Level-Athlet*innen beschäftigen.
Die zentrale Aussage: Das Darmmikrobiom könnte ein relevanter Faktor für sportliche Leistungsfähigkeit sein, aber die Datenlage ist noch nicht stark genug für allgemeingültige Empfehlungen.
Warum ist das Darmmikrobiom im Sport überhaupt relevant?
Die Studie beschreibt den Darm nicht nur als Verdauungsorgan, sondern als aktives metabolisches System, das verschiedene leistungsrelevante Prozesse beeinflussen kann:
- Energieverwertung
- Produktion kurzkettiger Fettsäuren (SCFAs)
- Entzündungsregulation
- Immunfunktion
- Regeneration
- Darmbarriere & gastrointestinale Beschwerden
Das bedeutet: Der Darm ist potenziell ein unterschätzter Player in der Sporternährung.
Zentrale Ergebnisse der Studie
1. Sportart beeinflusst das Mikrobiom
Ein besonders spannender Punkt:
Unterschiedliche Sportarten scheinen mit unterschiedlichen mikrobiellen Mustern verbunden zu sein.
Ausdauersport:
- Häufiger: Veillonella und Prevotella
- Veillonella kann Laktat verwerten → Bildung von Propionat
- Möglicher Vorteil für die Energieverwertung bei Belastung
Kraft- und Powersport:
- Eher Bacteroides-dominierte Profile
- Datenlage weniger eindeutig
Wichtig: Es geht nicht um „gute“ oder „schlechte“ Bakterien, sondern um funktionelle Anpassungen.
2. Training verändert das Mikrobiom dynamisch
Das Mikrobiom ist kein statisches System.
Die Studie zeigt:
- Intensives Training kann die Diversität erhöhen
- Sehr lange/extreme Belastungen → mögliche Dysbiose
- Veränderungen je nach Trainings-, Wettkampf- und Regenerationsphase
Eine besonders interessante Beobachtung:
- Kürzere Trailruns → mehr SCFA-produzierende Bakterien
- Sehr lange Rennen → weniger SCFAs, mehr potenziell problematische Keime
Praktische Übersetzung:
Belastung kann positiv wirken, aber nur, wenn Ernährung und Regeneration mitziehen.
3. Kohlenhydrate schlagen Low Carb – auch fürs Mikrobiom
Eines der klarsten Ergebnisse:
Kohlenhydratreiche Ernährung war verbunden mit:
- besserer Ausdauerleistung
- stabileren Mikrobiomprofilen
Low Carb High Fat:
- schlechtere Exercise Economy
- reduzierte Leistung
- ungünstige Veränderungen im Mikrobiom
Auch sehr proteinreiche, kohlenhydratarme Ernährung:
- eher Destabilisierung des Mikrobioms
Fazit:
Kohlenhydrate sind nicht nur Muskel-Fuel, sondern auch relevant für ein funktionierendes Darmökosystem.
4. SCFAs als Schlüsselmechanismus
Kurzkettige Fettsäuren (SCFAs) stehen im Zentrum der Diskussion.
Sie entstehen durch die Fermentation von:
- Ballaststoffen
- resistenter Stärke
Mögliche Funktionen:
- Energieversorgung
- Unterstützung der Darmbarriere
- Entzündungsregulation
- Immunfunktion
- Einfluss auf Regeneration
Das macht Ballaststoffe zu mehr als „Verdauungshelfern“. Sie sind biochemisch aktiv.
5. Probiotika: kein Wundermittel
Die Ergebnisse zu Probiotika sind gemischt:
Mögliche Effekte:
- Verbesserung von VO₂max
- längere Zeit bis zur Erschöpfung
- weniger GI-Beschwerden
- bessere Immunfunktion
Aber:
- starke Abhängigkeit von Stamm, Dosierung, Dauer
- individuelle Unterschiede
- kaum klare Effekte auf Kraftleistung
Wichtig:
Probiotika können sinnvoll sein, aber sie ersetzen keine solide Ernährungsbasis.
Grenzen der Studie
Die Autor*innen betonen selbst die Limitationen:
- kleine Stichproben
- viele männliche Teilnehmer
- unterschiedliche Messmethoden
- kurze Interventionszeiten
- schwer trennbare Einflussfaktoren (Ernährung, Schlaf, Stress etc.)
Deshalb gilt:
Keine überzogenen Schlussfolgerungen, sondern vorsichtige Interpretation.
Was bedeutet das für vegane Sporternährung?
Hier wird es besonders spannend.
1. Pflanzliche Ernährung liefert eine ideale Ausgangssituation
Eine gut geplante vegane Ernährung enthält:
- Ballaststoffe
- resistente Stärke
- Polyphenole
- pflanzliche Vielfalt
Genau die Komponenten, die für SCFA-Produktion und mikrobielle Aktivität relevant sind.
2. „Darmfreundlich“ heißt: richtiges Timing
Nicht immer maximal ballaststoffreich:
- Alltag/Basisphase: ballaststoffreich & vielfältig
- Vor Wettkampf/Intensität: leicht verdauliche Carbs, weniger Ballaststoffe
Entscheidend ist die Periodisierung.
3. Kohlenhydrate sind zentral
Die Studienlage unterstützt klar:
- bessere Performance
- stabileres Mikrobiom
Lebensmittel wie:
- Haferflocken
- Reis
- Kartoffeln
- Hülsenfrüchte
- Obst
sind keine „Problemfoods“, sondern Performance-Nutrition.
4. Hülsenfrüchte: sinnvoll, aber strategisch
Doppelte Funktion:
- Proteinquelle
- fermentierbare Kohlenhydrate
Aber:
- potenziell GI-Beschwerden
Lösung:
- langsamer Aufbau
- gute Zubereitung
- individuelles Testing
5. Probiotika = optional
Priorität bleibt:
- Ernährung
- Energieverfügbarkeit
- Timing
- Regeneration
Erst danach: gezielte Supplementierung
Fazit: Darmfreundliche Ernährung ist Performance-Ernährung
Die wichtigste Erkenntnis aus diesem Review:
Der Darm ist kein Nebenschauplatz, sondern ein aktiver Teil der sportlichen Leistungsfähigkeit.
Eine darmfreundliche vegane Sporternährung kann helfen:
- Energie besser verfügbar zu machen
- Entzündungen zu regulieren
- die Darmbarriere zu stabilisieren
- Training besser zu tolerieren
Take-Home-Message
Darmfreundliche vegane Sporternährung bedeutet nicht, perfekt oder extrem „clean“ zu essen.
Es bedeutet, deinen Darm so zu unterstützen, dass er Training, Regeneration und Leistung aktiv mitträgt.
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Bild bearbeitet mit: Canva | Erstellung des Beitrags mit Unterstützung von ChatGPT o1

